Ein Busfahrer mit einem großen Herz

Justin-Zongo

Justin Zongo

Wenn Justin Zongo in seinem Bus zum Mikrofon greift, dann nicht um wie viele seiner Kollegen zu meckern, sondern um zu singen. Der 43 Jahre alte Busfahrer aus Rüsselsheim stimmt zur Freude seiner meist jugendlichen Fahrgäste afrikanische Volkslieder an, rapt auf Französisch und imitiert Schlagzeug über die Buslautsprecher. Die Gäste bedanken sich mit Jubel und Applaus. Seine Auftritte sind als verwackelte Handyaufnahmen in „Youtube“ zu sehen. „Ich liebe diesen Mann – als Junge sogar,“ kommentiert ein Nutzer das Video auf der Internetplattform. „Geiler Typ,“ schreibt ein anderer. Mehr als 8000 Menschen gefällt Zongos „Facebook“-Seite mit dem Titel „Der schwarze und coolste Busfahrer“.

Im Internet ist er ein Star, aber auch in Rüsselsheim ist er nicht nur Schülern und Pendlern bekannt. Zuletzt ist er bei einer Sendung von Frank Elstner im Südwestrundfunk aufgetreten. Der Rummel um seine Person kümmere ihn nicht besonders, sagt Zongo, der 1998 als Asylbewerber aus der durch Bürgerkrieg zerrütteten Elfenbeinküste nach Deutschland kam. „Ich bin Busfahrer und bleibe immer Busfahrer.“
„Wir sind glücklich, wenn du kommst“

Nach einiger Zeit in Sachsen-Anhalt kam er vor elf Jahren nach Rüsselsheim. Seit fast drei Jahren fährt er für ein Tochterunternehmen der Stadtwerke Bus. Dass ihn seine gute Laune berühmt gemacht habe, verwundere ihn, sagt Zongo. Für ihn sei es eine Selbstverständlichkeit, freundlich zu sein. „Die Gäste sind für mich Könige, die auch morgen noch Lust haben sollen, mit mir Bus zu fahren,“ sagt der Vater von fünf Kindern. Wenn hier keiner mehr Bus fahren wolle, verlöre er schließlich seinen Job. Deshalb sei er immer freundlich, begrüße und verabschiede jeden Fahrgast persönlich.

Doch vor allem die Kinder und Jugendlichen, die er jeden Tag in die Schulen und wieder nach Hause fährt, schätzen ihn nicht nur wegen seiner Freundlichkeit. „Wir sind glücklich, wenn du kommst,“ hätten die Kinder zu ihm gesagt, berichtet Zongo. Sie würden ihren Stress vergessen, hätten einfach Spaß während der Fahrt. Und sie vertrauen sich dem Busfahrer an, reden mit ihm über ihre Sorgen und Ängste. Einmal sei er mit einem Schüler, der Streit mit seinen Eltern gehabt habe, nach Hause gegangen und habe geschlichtet. „Wenn mich jemand braucht, dann komme ich.“
Wenn er nicht mehr singt, entschuldigen sich alle

Er habe den Respekt und das Vertrauen der Schüler. Sie hörten auf ihn, sagt Zongo. Wenn es Raufereien und Streit im Bus gebe, dann drohe er damit, nicht mehr zu singen. „Dann sind alle ruhig und die Streithähne kommen zu mir nach vorne, um sich zu entschuldigen.“

Vor wenigen Tagen hat er mit seiner Freundin ein Café an der Bahnhofstraße in Rüsselsheim eröffnet. Ein Drittel der Einnahmen wolle er an Jugendprojekte spenden oder Spielzeug für Kindergärten anschaffen. Busfahrer werde er aber auf jeden Fall bleiben, hebt er hervor. Das Café sei nur ein Plan B. Eigentlich träume er davon, ein Fitnessstudio für Jugendliche zu eröffnen. “Mit Sport baue ich Stress ab. Das will ich auch den Jugendlichen zeigen,“ sagt Zongo. Noch fehlten ihm dafür Sponsoren und Geld. In Rüsselsheim gebe es aber viele Kinder, die mit sich nichts anzufangen wüssten. Er wolle ihnen eine Perspektive bieten, sie von der Straße holen. „Diesen Kids muss ich helfen.“

Quelle:

http://www.faz.net/aktuell/rhein-main/busfahrer-justin-zongo-eine-busfahrt-die-ist-lustig-12108107.html

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