Die üble Nachrede

Gestern saß ich auf dem Spielplatz und
zwei Freundinnen saßen mit mir auf der
Bank. Beide sind sehr nett nach außen.

Sie unterhielten sich rege und ich hab
natürlich ein bisschen mitbekommen von
ihrer Unterhaltung. Dabei habe ich
gehört, wie sie über eine andere
Frau „herziehen“. Ich musste zweimal
hinhören, weil ich es nicht glauben
konnte: Die Zwei ziehen über jemand
anders her! Sie machten mir bisher
immer den Eindruck(!), dass sie das
nicht nötig hätten. So kann man sich
täuschen. Und meine Erfahrung sagt mir:
Wer über andere schlecht redet, tut das
mit großer Wahrscheinlichkeit auch über dich.
Am liebsten hätte ich sie angesprochen und
ihnen diese Geschichte von der üblen Nachrede
erzählt. Leider ist sie mir in dem Moment
nicht mehr richtig eingefallen, ich musste
erst einmal danach googeln. Schade, ich
hätte es gerne gleich getan. Wenn ich sie
später drauf anspreche, dann wissen sie ja
gar nicht mehr, wovon ich gesprochen habe.

Egal, ich kann mir vorstellen, dass sich
bald wieder eine Gelegenheit ergibt
und dann bin ich gewappnet 😀

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Ein Nachbar hatte über Künzelmann schlecht geredet
und die Gerüchte waren bis zu Künzelmann gekommen.
Künzelmann stellte den Nachbarn zur Rede.

„Ich werde es bestimmt nicht wieder tun“, versprach der Nachbar.
„Ich nehme alles zurück, was ich über Sie erzählt habe“.

Künzelmann sah den anderen ernst an.
„Ich habe keinen Grund, Ihnen nicht zu verzeihen“ erwiderte er.
„Jedoch verlangt jede böse Tat ihre Sühne.“

„Ich bin gerne zu allem bereit.“ sagte der Nachbar zerknirscht.

Künzelmann erhob sich, ging ins sein Schlafzimmer
und kam mit einem großen Kopfkissen zurück.

„Tragen Sie dieses Kissen in Ihr Haus, das hundert
Schritte von meinem entfernt steht.“ sagte er.

„Dann schneiden Sie ein Loch in das Kissen
und kommen wieder zurück, indem Sie unterwegs
immer eine Feder nach rechts,
eine Feder nach links werfen.
Dies ist der Sühne erster Teil.“

Der Nachbar tat, wie ihm geheißen.
Als er wieder vor Künzelmann stand und
ihm die leere Kissenhülle überreichte,
fragte er: „Und der zweite Teil meiner Buße?“

„Gehen sie jetzt wieder den Weg zu Ihrem Haus
zurück und sammeln Sie alle Federn wieder ein.“

Der Nachbar stammelte verwirrt:
„Ich kann doch unmöglich all die Federn wieder einsammeln!
Ich streute sie wahllos aus, warf eine hierhin und eine dorthin.
Inzwischen hat der Wind sie in alle Himmelsrichtungen getragen.
Wie könnte ich sie alle wieder einfangen?“

Künzelmann nickte ernst:
„Das wollte ich hören! Genau so ist es mit
der üblen Nachrede und den Verleumdungen.
Einmal ausgestreut, laufen sie durch alle Winde,
wir wissen nicht wohin.
Wie kann man sie also einfach wieder zurücknehmen?“

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7 Kommentare zu “Die üble Nachrede

  1. Kluge Geschichte…aber (ja das böse aber) lästern ist manchmal einfach ein Ventil, um Dampf abzulassen.

    Seh ich z.b. mit meiner Oberärztin die eine psychiatrische Station leitet, die hat furchtbare Dinge begangen, die ich ihr nie verzeihen werde – vor allem weil sie sie abgestritten hat (nur doof wenn man es vor Zeugen gesagt hat).

    Allerdings drucke ich keine Flugblätter und hänge sie überall aus – ich rede mit meiner Betreuerin ab und zu über sie und ja, ich brauche das, wenigstens diesen kurzen Moment, wo ich die Oberhand habe.

    Etwas anderes finde ich, wenn man Gerüchte in die Welt setzt und sie verbreitet – das finde ich schlimm.

    PS: Meine Nachbarn wissen eh alle das ich in der Psychiatrie war, insofern ja, mir isses wurscht was sie von mir halten.

    • Da geb ich Dir völlig Recht. Man sollte schon unterscheiden, ob man etwas sachlich erzählt oder Geschichten erfindet und was hineininterpretiert.

      Dann ist es auch noch mal was ganz anderes, ob man bei etwas dabei war und Erlebnisse erzählt oder ob man etwas Gehörtes in seiner Version weitergibt – also Gerüchte verbreitet.

      Meine zwei Freundinnen haben versucht mich in die Unterhaltung einzubeziehen, aber ich hatte keine Lust mir erklären zu lassen, welche Frau ihre Kinder mies behandelt. Ich kenne die Frau nicht und deshalb muss ich da nicht mitdiskutieren.

      • Wenn die Frau die Kinder wirklich mies behandeln würde, würde ich als verantwortungsvoller Mensch das Jugendamt anrufen, anstatt mich auf einer Parkbank mit meiner Freundin darüber zu tratschen.

        Insofern denke ich, das es wirklich nur üble Nachrede war und ja, das ist unverzeihlich!

  2. Ein wenig lästern, ist das eine, über jemanden schlecht reden, Unwahrheiten erzählen ist ganz was anderes.
    Die Geschichte umschreibt es sehr gut – schlecht über jemanden reden ist unverzeihlich.

  3. Die Geschichte mit den Federn hatte ich auch schon Mal vor langer Zeit gelesen … sie ist wirklich eine Lehre und zeigt auf, wie sich eine üble Nachrede multipliziert und weiterverbreitet und somit Existenzen zerstören kann!

    Diese Geschichte verdient es, weiterverbreitet zu werden,
    um bei Vielen ein Einsehen zu erwirken!

    Wenn ich irgendetwas höre, was einen Menschen betrifft und ihn schlecht macht, so suche ich erst einmal den Weg zum Betroffenen und frage nach, ob die Geschichten stimmen, die erzählt werden … oftmals stellt sich dann die Haltlosigkeit derselben heraus!!

    Neid, Mißgunst steht oft hinter den Geschichten und ihrer Weiterverbreitung!!

    Arme Geister sind es, die sowas zu Belustigung brauchen – meistens haben jene selbst viel zu kehren vor und hinter ihren Türen …

    Gute Nacht!

    Traumfaenger71

  4. Diese Geschichte gefällt mir wirklich sehr!
    Ich würde sie auch gerne weiter geben.
    Den üble Nachrede und Gerüchte sind ganz was fieses!
    So etwas bekommt nur noch ganz schwer wieder gerade gebügelt.
    LG Netty77

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